Donnerstag, 25. Oktober 2012

Szene 9 (ausgearbeitet)


Abschickfertig, wenn es von euch keine größeren Einsprüche gibt:

Aschenputtel:
Aschenputtel vermittelt Entscheidungsfreiheit und Unabhängigkeit. Durch Stiefmutter war sie sehr abhängig, hatte aber zum Ende des Märchens ihre Freiheit wiedergewonnen und erzielte in der Agentur gute Erfolge. Jetzt, wo die Agentur Jahre lang stillgelegt war, hat sie sich wieder in die Fänge eines Unterdrückers (beliebig wählbar: Freund, Arbeitgeberin, gute Freundin…) begeben und scheint ohne fremde Anweisungen nicht mehr klar zu kommen. (trägt nur noch einen Schuh)

[Asch. Kommt auf die Bühne und leiert furchtbar gelangweilt und auswendiggelernt ihren Text herunter]
Asch: Guten Tag. Ich heiße Aschenputtel. Ich zeige euch jetzt, wie man unabhängig wird, und sich von Gruppenzwang befreit.
G: Mensch, du hast echt so gar kein Talent, oder? Ich mein, wenn man das ne Weile macht stumpft man vielleicht ab aber so desinteressiert..?
Asch: Wisst ihr, ich hatte noch nie einen spannenden Text. Das Drehbuchteam musste irgendwie 45 Minuten vollkriegen. Ich bin eine Füllrollle. Aber das ist okay so. Ich komm inzwischen klar. Ihr könnt meine Szene auch ganz entfallen lassen, wenn ihr möchtet!
H: Nein du, ist voll okay, mach ruhig dein Ding. Du hast doch bestimmt auch ein Lied für uns, oder?
Asch: Ja, es gefällt mir und ist pädagogisch wertvoll. Meine Werte werden vermittelt und meine Persönlichkeit ausdrückt. Ich möchte, dass ihr aufmerksam die Ohren spitzt und zuhört. Ihr sollt nun etwas lernen. 1,2,3,4,:
(setzt sich ans Klavier, spielt ihre eigene Melodiestimme mit und singt rhythmusverzögert und demotiviert „Über den Wolken“)
Asch: (verspielt sich) Verdammt, 20 Jahre Berufserfahrung und ich verspiele mich immer noch.
G: Und was sollen wir nun gelernt haben?
Asch: (unverständnisvoll) NAJA? (setzt wieder an) […] Muss die FREIHEIT wohl grenzenlos sein.
Freiheit, versteht ihr? So komplett ohne Bindungen und völlig selbstbestimmend.
H: So wie… du?
Asch: (traurig) Hey, das sagt ihr nicht. Das steht nicht im Skript, wirklich nicht.
G: (zu H) Was soll eigentlich dauernd diese Drehbuchkacke.
H: Ja keine Ahnung?!
Asch: Wisst ihr, ihr bringt mich durcheinander wenn ihr euch nicht an die Regeln haltet. Sie sind meine Basis, das was mich ausmacht, versteht ihr?
G: Und das ist dir genug?
Asch: Weiß nicht. Hab noch nie drüber nachgedacht, das übernehmen meist andere für mich. Die Regie führen sie. Weil sie’s können. Da füg ich mich.
H: Du glaubst nicht wirklich an das, was du singst.
Asch: Nein VERDAMMT! Muss ich auch nicht. Ich nehm mein Geld und spiele die nächste Vorstellung.
Und das war‘s dann. Hört verflixt nochmal auf, mir zu erzählen, dass mein Leben sinnlos wäre und dass ich keine Kontrolle darüber hätte. Ich KÖNNTE jetzt gehen. Ich WILL nur nicht. Und jetzt zieht diese lehrreiche Lehre daraus.
G: Haben dass deine Autoren auch so aufgeschrieben?
(Asch fängt an, unkontrollierte Wutlaute auszustoßen) Nein, vielleicht nicht direkt.
H: Weißt du, wenn du‘s jetzt eh versaut hast könntest du doch einfachmal machen, worauf du Lust hast. Die Vorstellung ist eh nicht mehr zu retten.
G: Jetzt glaubst du auch schon an diesen Drehbuchmist ey!
(Asch beginnt sich mental auf Auftritt vorzubereiten- iwelche komischen Atemübungen)
H: Gretel, ich glaube, gleich geht’s hier richtig los.
Song Asch (Prinzen „Schwein sein“)
Du musst frei sein in dieser Welt
(Frei sein)
Du musst deinen Weg gehen in dieser Welt
G: Das war Wahnsinn!
Asch: (Erstaunt) Findet ihr? Moment Mal. (zückt Stift) ALSO… Zuerst ausflippen, Mitleidsnummer schieben, dann der Song, großes Finale uuuund SCHLUSS! Das ist brilliant, brilliant brilliant- VERSTEHST DU? Einfach genial.
H: Ah, selbstbestimmt, spontan, einfach machen was man will, die Dinge auf sich zukommen lassen. Unabhängig von allem. Verstehe. Alles klar. Prima message.
Asch: Das heißt, ihr habt verstanden?
G: Ja. War überdeutlich. AAbsolut angekommen. Wie eingebrannt, quasi, kann man gar nicht mehr vergessen! Stimmts, Hänsel? (Rippenstoß)
H: Jo. Ich hab’s komplett verinnerlicht. Nicht mehr aus meinem Kopf zu bekommen. Totale Dauerschleife. Werde dauernd an dich denken müssen, wenn ich das nächste Mal- äh- so richtig UNABHÄNGIG sein muss.
(Asch. erst nach dem Motto „hähh- verarscht ihr mich?“ Dann) : SUPI. Das hat mir noch nie jemand gesagt!
G: Ohh- echt? Kann ich mir ja überhaupt nicht vorstellen. Leute gibt’s.^^
Asch: Dann werde ich jetzt auch mal wieder gehen, nü?
G: Ja, ja du gehst jetzt wohl lieber besser-äääh- Schade. Wirklich Schade. Die Zeit ist mit dir quasi nur so durch meine Finger geronnen. Soll ich dich noch zur Tür geleiten?
Asch: Passt schon. Ich bin so unabhängig- da kann sich mir eigentlich gar nichts mehr in den Weg stellen!
H (flüsternd, abwertend) : Mhhm. Die anderen haben in unserem Flur immer ziemlich zu kämpfen.

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